Das JETZT annehmen

Vor fünf Jahren hätte ich nicht im Traum daran gedacht dass ich ein eigenes Pferd besitzen würde. Tatsache ist, dass ich JETZT das wundervollste Pferd an meiner Seite habe.

Vor einem Jahr hätte ich nicht im Traum daran gedacht, dass ich mein Pferd nicht reiten würde. Tatsache ist, dass ich JETZT, ein junges und gesundes Pferd an meiner Seite habe, welches ich bewusst nicht reite.

Träume habe ich immernoch viele, der Unterschied liegt heute liegt darin dass sie sich nicht wie Träume anfühlen. In meiner Vorstellung sind sie so lebendig dass sie bereits wahr sind. Tatsache ist aber, dass sie sich JETZT nicht manifestiert haben, noch nicht.

Der Wandel mit Ari, weg vom klassischen Training und Reiten, brachte auch grosse Veränderung in meinem persönlichen Leben mit sich. Selbstreflexion ist bestimmt eines der Schlüsselwörter, welches mich Ari tagtäglich lehrt.

Ich habe JETZT bereits eine wunderbare Beziehung mit Ari, welche auf Vertrauen, gegenseitigem Respekt und Freundschaft basiert. Einmal mehr konnte ich mir das im Traum nicht vorstellen was JETZT Realität ist.

Gerne würde ich mehr Zeit mit ihr verbringen, aber Tatsache ist, dass ich derzeit 100% arbeite, was bedeutet dass unsere gemeinsame Zeit begrenzt ist. Eine weitere Tatsache ist, dass ich nicht diejenige bin die sich um sie kümmert. Ja, das bin ich aber auch nicht. Denn nicht ich bin diejenige, die sie täglich füttert, nicht ich bin diejenige, die täglich ihren Stall sauber macht und auch bin ich nicht diejenige, die absolut gar keine Erwartungen an sie hat, noch nicht. Ja, weder trainiere noch reite ich sie, aber ich bin diejenige, die dafür verantwortlich ist ihr zusätzliche Bewegung zu bieten.

Immer Sommer war unsere Verbindung tiefer und alles schien einfacher. Da die Tage länger sind konnte ich mehr Stunden mit ihr verbringen. Im Winter scheint alles schwieriger, die Tage sind kürzer und daher bin ich noch mehr eingeschränkt. Es ist nicht sonderlich angenehm alleine abends durch den dunklen Wald zu streifen, obwohl wir es ab und zu machen. Daher muss ich die Entscheidung auch manchmal alleine treffen und Ari für einen Spaziergang oder Jogging-Runde überzeugen. Besonders im Winter bin ich noch mehr verantwortlich dass sie sich bewegt. Bei sehr schlechtem Wetter steht die Herde oft im gedeckten Paddock rum, obwohl sie jederzeit auf die Weide könnte.

Das sind einige Tatsachen in meinem JETZT, und vor nicht allzu langer Zeit, haben mir all diese Tatsachen Sorgen gemacht und es war schwierig für mich diese zu akzeptieren. Ein Grund warum ich es nicht annehmen konnte?  Weil es schmerzhaft ist wenn Ari von mir wegläuft und nicht mit mir Zeit verbringen möchte.

Vieles habe ich auf die äusseren Zustände zurückgeführt, aber ich habe eine wichtige Tatsache nicht beachtet. Selbst-Reflexion! Wieso läuft Ari manchmal weg von mir? Warum ist eine tiefe Verbindung JETZT nicht möglich? Was habe ich übersehen? Was geschieht derzeit in meinem Leben?

Neben den äusseren Tatsachen, welche selbstverständlich eine Auswirkung haben, vergass ich, einmal mehr, nach innen zu schauen, und die Antwort dort zu suchen und zu finden.

Selbs-Reflexion kann sehr schmerzhaft sein und schwierig zu verstehen, da sind Seiten in uns welche wir sehr gut verstecken. Ein Schutzmechanismus, welchen wir aufgebaut haben, um uns vor schmerzhaften Erfahrungen zu schützen. Viele Muster haben wir durch unsere Eltern und deren Erziehung erschaffen. Andere Muster haben wir in die Wiege gelegt bekommen. Muster welche wir von unseren Eltern übernommen haben, diese wiederum, deren Muster von ihren Eltern, und so weiter.

Die Angst vor Nähe und Bindung in Beziehungen ist für mich ein grosses Thema an dem ich JETZT arbeite. Ich brauche hier auch nicht ins Detail zu gehen aber es ist ein Thema in meinen Beziehungen mit Menschen und es ist auf jeden Fall ein Thema in meiner Beziehung mit Ari.

Es dauerte eine Weile, bis ich mir selber zugestehen konnte dass Ari meine Emotionen wiederspiegelt wenn sie von mir wegläuft. Sie spiegelt meine Angst vor einer engen Beziehung mit ihr, mit anderen Menschen und schlussendlich mit mir selber. Autsch! Das tut weh… im ersten Moment!

Im zweiten Moment bringt es Klarheit. Es entsteht in mir und nur ich kann es auch wieder befreien. Ich alleine muss diese Wunde heilen. Keine äusseren Umstände, kein Mensch oder Tier kann es für mich lösen. Ja, sie können uns dabei helfen und uns den Weg weisen, aber die Arbeit muss von uns getan werden.

Als ich diese Tatsache im JETZT begriffen und annehmen konnte, begannen sich die Dinge zu ändern. Noch nicht so sehr in meinen äusseren Umständen, aber in meiner inneren Welt. Da gibt es plötzlich einen Teil von mir der gesehen wird, dem Beachtung geschenkt wird und der akzeptiert wird. Plötzlich entsteht Raum und Platz für diesen Teil in mir, sich zu zeigen, ohne jegliche Angst vor dem Verletzt werden. Neue Energie beginnt zu fliessen und somit werden mir ganz neue Wege angeboten.

Alles was geschieht, geschieht aus einem bestimmten Grund. Und alles geschieht für, und nicht gegen mich. Wenn ich JETZT Alles annehmen kann wie es ist, besonders in schwierigen Situationen, ist es viel leichter damit umzugehen. Und es bedeutet nicht dass meine Träume eines Tages nicht wahr werden. Im Gegenteil, wenn ich alles Alles im JETZT annehme, meine inneren Umstände die meine äusseren Umstände wiederspiegeln, schaffe ich Raum für Neues, und so können sich äussere Umstände sehr schnell manifestieren.

Es ist ok wenn die Dinge nicht immer einfach sind mit Ari. Es ist ok wenn wir nicht immer eine Verbindung eingehen können. Es ist auch ok wenn ich mal traurig, wütend oder einsam bin, wenn ich bei ihr bin. Die Dinge sind wie sie sind, und sie sind perfekt genauso wie sie JETZT sind. Geduld und Vertrauen in das Leben bringen mir genau die Erfahrungen, welche ich jeden einzelnen Augenblick brauche. Und alle schönen und nicht so schönen Erfahrungen sind ein Teil davon.

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Ich habe aufgehört mir Lang-Zeit Pläne zu schmieden, schlussendlich kommt es wie es kommt, und meistens nicht wie geplant. Aber meine Träume halte ich am Leben. Bis ich erneut sagen kann: Das hätte ich nicht im Traum gedacht 🙂 Ich freue mich auf meine Zukunft, auf die Zeit die ich mit Ari verbringen werde und auf die Zeit die ich ohne sie verbringen werde. Ich freue mich auf dieses Jahr, nächsten Monat und ich freue mich auf Morgen. Aber JETZT ist JETZT… ich freue mich auch auf das JETZT 🙂

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